• Direkt zum Hauptinhalt springen
  • Direkt zum Hauptmenü springen
  1. Startseite
  2. Dokumente
  3. Texte (2021-2025)
  4. 2022
zurück zu: Texte (2021-2025) ()
  • 1. Lesung
Wirtschaft

Debatte über den Pharma­standort Deutschland

Der Bundestag hat am Freitag, 7. Juli 2022, erstmals über einen Antrag der CDU/CSU-Fraktion mit dem Titel „Deutschland als Innovations-, Biotechnologie- und Pharmastandort stärken, EU-Mittel sichern, IPCEI Health beitreten“ (20/2376) beraten. Im Anschluss der Debatte wurde die Vorlage zur Federführung an den Wirtschaftsausschuss überwiesen. 

Union: Prioritäten richtig setzen

Um den Wohlstand in Deutschland für die nächsten Jahrzehnte zu sichern, sei es laut Thomas Jarzombek (CDU/CSU) wichtig, dass Deutschland ein Standort bleibe, der Spitzentechnologie beherrscht. Das EU-Vorhaben IPCEI Health sei ein Projekt „von großem gemeinsamen europäischen Interesse“ so Jarzombek.

500 Millionen Euro solle Deutschland laut Antrag der Union in die Forschung von Biotechnologie investieren. Er kritisierte, dass im Haushaltsplan keine Gelder für IPCEI Health vorgesehen seien und forderte die Regierung auf, „endlich den Schwerpunkt auf Forschung, Technologie und Transfer“ zu setzen.

SPD: Wären gerne dem IPCEI Health beigetreten

Die angespannte finanzielle Lage in Deutschland habe dazu geführt, dass bei der Verteilung von Haushaltsmittel anders priorisiert werden musste und keine Mittel für IPCEI Health zur Verfügung gestanden hätten, sagte Lena Werner (SPD). Ihre Fraktion hätte sich laut Werner gerne an dem EU-Vorhaben beteiligt und hoffe, dass dies nächstes Jahr möglich sein wird.

Deutschland habe ein „enormes Innovationspotential“ und solle führender Biotechnologie-Standort werden, sagte Werner. Die Erfahrungen der Pandemie hätten gezeigt, dass schnelle Forschungsergebnisse, wie die Entwicklung des Corona-Impfstoffes, ohne „intensive Forschung und ausreichende Finanzierung“ nicht möglich gewesen wären.

AfD: Müssen lernen, national zu denken und zu handeln

Dass das Instrument des Antrags, der IPCEI Health, rein europäisch sei, kritisierte Dr. Götz Frömming (AfD). Die Pandemie habe gezeigt, dass sich jeder selbst in der Krise am nächsten sei. Daher müsse Deutschland wieder lernen, national zu denken und zu handeln.

Laut Frömming seien 90 Prozent der Forschungsgelder in ausländische Firmen beziehungsweise internationale Projekte geflossen. Außerdem merkte der AfD-Politiker an, dass statt großer Unternehmen gefördert werden sollte, wo Förderung benötigt werde.

Linke: Förderung da einsetzen, wo der Markt versagt

Dr. Petra Sitte (Die Linke) kritisierte, dass es in dem Antrag im Kern um eine Kommerzialisierung von Wissen gehe, das durch öffentliche Förderung erworben wurde. Statt undifferenzierter Finanzierung von privaten Biotech-Unternehmen und Start-ups sollten Fördermittel dort eingesetzt werden, wo der Markt versagt.

Wegen „pessimistischer Renditeerwartung von Pharmakonzernen“ werde beispielsweise bei seltenen Erkrankungen, in der Alzheimerforschung oder bei Antibiotika-Resistenzen zu wenig geforscht. „Öffentliche Forschungsförderung muss dem Gemeinwohl folgen“, sagte Sitte.

FDP: Wir handeln nicht isoliert, sondern kalkuliert

Manfred Todtenhausen (FDP) betonte, dass die Biotech-Branche aktuell gut aufgestellt sei und zumindest in Deutschland aktuell keine staatliche oder europäische Förderung brauche. Durch die hohen Gewinne des Unternehmens Biontech werde die Stadt Mainz beispielsweise bis Ende des Jahres schuldenfrei sein.

Auch anderen Staaten wie Schweden würden sich laut Todtenhausen nicht an dem IPCEI Health beteiligen: „Wir handeln nicht isoliert, sondern kalkuliert“. Gerade in Zeiten begrenzter finanzieller Mittel müssten Prioritäten richtig gesetzt werden. Daher sei es nicht vertretbar, aktuell einen Wirtschaftszweig zu fördern, der sich gut selbst helfen könne.

Grüne: Antrag nimmt nur ein Instrument in den Blick

Dr. Paula Piechotta (Bündnis 90/Die Grünen) merkte an, dass der Antrag lediglich ein Instrument der Förderung in den Blick nehme. Durch die letzten zwei Jahre hätte die Biotech-Branche einen unglaublichen Boom und „gesellschaftliche Wertschätzung“ erfahren, so die Grünen-Politikerin. Für Stake-Holder aus der Branche sei die finanzielle Förderung wichtig gewesen, es mangele aber noch bei vielen anderen Aspekten.

So gebe es Probleme mit dem nicht funktionierenden Technologietransfer, dem fehlenden Unternehmergeist im Land und durch den Fachkräftemangel. Außerdem merkte die Abgeordnete mit Blick auf die Union an, dass zu einer serösen Oppositionspolitik auch gehöre, herauszuarbeiten, wo die geforderten 500 Millionen Euro herkommen sollen.

Antrag der Unionsfraktion

Deutschland solle sich an dem EU-Vorhaben „Important Project of Common European Interest (IPCEI) Health“ zur Förderung wichtiger Innovationen in der Biotechnologie- und Pharmabranche beteiligen, verlangen die Abgeordneten. In ihrem Antrag schreiben sie, obwohl Deutschland 2021 einer der Initiatoren der gemeinsamen europäischen Anstrengung war, gehöre es nicht zu den europäischen Staaten, die am 3. März die Erklärung unterzeichneten.

Neben dieser Aufforderung fordert die Union unter anderem, dass im Bundeshaushalt „durch Umschichtung mindestens 500 Millionen Euro für die Beteiligung am IPCEI-Health“ bereitgestellt werden sollten.
Besonders der wirtschaftliche Erfolg von Biontech habe das Potential der Biotechnologie zur Stärkung des deutschen Wirtschaftsstandorts verdeutlicht, so die Antragsteller. Im Jahr 2021 betrug „allein der Anteil der Lizenzeinnahmen von Biontech an der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung 0,5 Prozent“. (des/hau/08.07.2022)

Reden zu diesem Tagesordnungspunkt

Bärbel Bas

Bärbel Bas

© Bärbel Bas / Photothek Media Lab

Bas, Bärbel

Bundestagspräsidentin

()
Thomas Jarzombek

Thomas Jarzombek

© Thomas Jarzombek/ Tobias Koch

Jarzombek, Thomas

CDU/CSU

()
Lena Werner

Lena Werner

© Lena Werner/ Fionn Große

Werner, Lena

SPD

()
Dr. Götz Frömming

Dr. Götz Frömming

© Götz Frömming/ Olga Grenner

Frömming, Dr. Götz

AfD

()
Laura Kraft

Laura Kraft

© DBT / Inga Haar

Kraft, Laura

Bündnis 90/Die Grünen

()
Petra Sitte

Petra Sitte

© Petra Sitte/Nancy Glor

Sitte, Dr. Petra

Die Linke

()
Manfred Todtenhausen

Manfred Todtenhausen

© Manfred Todtenhausen/Stella von Saldern

Todtenhausen, Manfred

FDP

()
Katrin Staffler

Katrin Staffler

© Katrin Staffler/ Julia Rieck

Staffler, Katrin

CDU/CSU

()
Martina Stamm-Fibich

Martina Stamm-Fibich

© DBT/ Inga Haar

Stamm-Fibich, Martina

SPD

()
Michael Kaufmann

Michael Kaufmann

© Michael Kaufmann/Hagen Schnauss

Kaufmann, Prof. Dr. Michael

AfD

()
Sandra Detzer

Sandra Detzer

© Dr. Sandra Detzer / Stefan Kaminski

Detzer, Dr. Sandra

Bündnis 90/Die Grünen

()
Gerald Ullrich

Gerald Ullrich

© Gerald Ullrich/ Oliwia Wadhwa

Ullrich, Gerald

FDP

()
Norbert Maria Altenkamp

Norbert Maria Altenkamp

© Norbert Altenkamp/ Klaas Fahr

Altenkamp, Norbert Maria

CDU/CSU

()
Ruppert Stüwe

Ruppert Stüwe

© Photothek

Stüwe, Ruppert

SPD

()
Paula Piechotta

Paula Piechotta

© Paula Piechotta/ Philip Knoll

Piechotta, Dr. Paula

Bündnis 90/Die Grünen

()
Tilman Kuban

Tilman Kuban

© Tilman Kuban/ Steffen Böttcher

Kuban, Tilman

CDU/CSU

()
Katrin Budde

Katrin Budde

© Katrin Budde/Thomas Koehler

Budde, Katrin

SPD

()
Wolfgang Kubicki

Wolfgang Kubicki

© Wolfgang Kubicki/ Tobias Koch

Kubicki, Wolfgang

Bundestagsvizepräsident

()

Dokumente

  • 20/2376 - Antrag: Deutschland als Innovations-, Biotechnologie- und Pharmastandort stärken, EU-Mittel sichern, IPCEI Health beitreten
    PDF | 197 KB — Status: 22.06.2022
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • Fundstelle im Plenarprotokoll (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)

Beschluss

  • Überweisung 20/2376 angenommen

Tagesordnung

Sitzungsverlauf

Weitere Informationen

  • Gebärdensprachvideo (Video)

Herausgeber

Deutscher Bundestag, Internetredaktion

  1. Startseite
  2. Dokumente
  3. Texte (2021-2025)
  4. 2022
zurück zu: Texte (2021-2025) ()
  • Instagram-Kanäle

    • Bundestag (Externer Link, Link öffnet ein neues Fenster)
    • Bundestagspräsidentin (Externer Link, Link öffnet ein neues Fenster)
  • LinkedIn
  • Mastodon-Kanäle

    • Bundestag (Externer Link, Link öffnet ein neues Fenster)
    • hib-Nachrichten (Externer Link, Link öffnet ein neues Fenster)
  • WhatsApp
  • YouTube
  • Hilfe
  • Kontakt
  • Inhaltsübersicht
  • Instagram-Kanäle

    • Bundestag (Externer Link, Link öffnet ein neues Fenster)
    • Bundestagspräsidentin (Externer Link, Link öffnet ein neues Fenster)
  • LinkedIn
  • Mastodon-Kanäle

    • Bundestag (Externer Link, Link öffnet ein neues Fenster)
    • hib-Nachrichten (Externer Link, Link öffnet ein neues Fenster)
  • WhatsApp
  • YouTube
  • Barrierefreiheit
  • Datenschutz
  • Impressum

© Deutscher Bundestag

Ausdruck aus dem Internet-Angebot des Deutschen Bundestages

https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2022/kw27-de-biotechnologiestandort-900562

Stand: 29.08.2025