29.01.2026 Parlamentarischer Beirat für nachhaltige Entwicklung — Ausschuss — hib 74/2026

Eckart von Hirschhausen: „Klimaschutz ist Gesundheitsschutz“

Berlin: (hib/HAU) Die größte Bedrohung für die menschliche Gesundheit besteht in der Erderwärmung und im Verlust der Artenvielfalt. Das machte der Gründer der Stiftung „Gesunde Erde Gesunde Menschen“, Eckart von Hirschhausen, am Mittwoch vor dem Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfragen deutlich. „Klimaschutz ist Gesundheitsschutz“, betonte der zu einem öffentlichen Fachgespräch geladene Wissenschaftsjournalist.

Gesundheit beginne nicht mit einem MRT-Bild, einer Operation oder einem passgenauen Medikament. Sie beginne viele früher und grundlegender mit der Luft zum Atmen, dem Wasser zum Trinken, den Pflanzen zum Essen, erträglichen Temperaturen und einem friedlichen Miteinander. Ein Blick in die Nachrichten zeige aber: „Alle diese fünf Grundlagen für ein gutes Leben sind akut in Gefahr.“

Von Hirschhausen verwies auch darauf, dass die Möglichkeiten der Anpassung beschränkt seien. „An über 42 Grad Körperkerntemperatur kann man sich nicht anpassen“, sagte er. Der Gedanke, Hitze treffe immer nur die Alten und die Vorerkrankten, „zynisch gesagt: die Leute, die sowieso bald sterben“, sei falsch, betonte von Hirschhausen. „Hitzegefährdet ist jeder von uns, ab einer bestimmten Intensität.“

Der Wissenschaftsjournalist machte außerdem deutlich, dass ab jetzt „jede weitere Tonne CO2 noch viel mehr ins Kontor haut als die bisherigen“. Grund dafür sei, dass 25 Prozent des CO2 und 90 Prozent der Wärme bisher in den Meeren abgepuffert worden seien. „Gäbe es keine Meere, wären wir nicht zwei Grad heißer, sondern 36 Grad heißer“, sagte er. Dieser Puffer sei aber nun erschöpft. „Wir spielen mit den Kipppunkten des Erdsystems.“ Deshalb sei es so wichtig, sowohl Emissionen zu senken als auch über Anpassungen nachzudenken.

Als ein großes Missverständnis in vielen politischen Debatten benannte von Hirschhausen das Verwechseln von Investitionen und Kosten. „Das Teuerste, was wir tun können, ist nichts zu tun“, befand er. Wenn also gerade Milliarden „auf Pump“ aufgenommen würden, müsse dieses Geld vor allem in die „Prävention der Folgen der Klimakrise und des Artenverlustes“ gehen.

Der promovierte Mediziner nannte fünf evidenzbasierte Prinzipien, die die Wahrscheinlichkeit gesellschaftlicher Unterstützung für den Klimaschutz erhöhen würden. Die zu treffenden Maßnahmen müssten nachweisbar zur Zielerreichung beitragen (Wirksamkeits-Prinzip). Zudem brauche es eine gerechte Verteilung von Kosten, Nutzen und Verantwortung (Fairness-Prinzip). Sichtbare eigene Vorteile bei gleichzeitig geringen individuellen Kosten förderten die Akzeptanz von Maßnahmen (Prinzip des individuellen Nutzens). Dazu kämen noch das Gemeinwohl-Prinzip und das Einfachheits-Prinzip.

Wie aber kann man die Mitte der Gesellschaft für die Themen Klimaschutz und Bewahrung der Artenvielfalt gewinnen? Eine breite Mehrheit sei einer von der Stiftung „Gesunde Erde Gesunde Menschen“ in Auftrag gegebenen Studie zufolge für „mehr politische Klimaanstrengungen“, sagte der Stiftungsgründer. Frage man die Menschen, ob sie bereit sind, mehr für den Klimaschutz zu tun, sagten sie zu 80 Prozent ja. Auf die Frage, ob denn wohl auch der Nachbar dazu bereit sei, heiße es hingegen oft Nein. Das gleiche Bild ergebe sich, wenn man eben jenen Nachbarn befrage. „Das bedeutet: Die Mehrheit weiß nicht, dass sie die Mehrheit ist“, schlussfolgerte von Hirschhausen. Deshalb müsse anders darüber gesprochen werden. „Die Wertevorstellung, die uns wirklich vereinigt, ist Gesundheit“, betonte er. Auch da müsse das Distanzproblem überwunden werden. „Wir müssen die Lebensgrundlagen kommunizieren und Gesundheit als Anknüpfungspunkt für einen wirklich persönlichen Nutzen stärken“, forderte von Hirschhausen.